Kolumbien – ein faszinierendes Land
Vom 06.11. - 04.12.2009 hatte ich das große Glück, mit Geinsson Bernal de Henn, der in Kolumbien geboren ist und seinem Partner Udo Henn, dieses wundervolle Land kennenzulernen.
Da ich meinen Vorträgen nichts vorweg nehmen möchte, fällt der Bericht an dieser Stelle nicht sehr umfangreich aus.
Ausgangs- und Endpunkt der Reise war die Hauptstadt Bogota, wo ich am Abend des 6. November mit Air France gelandet bin.
Das Wiedersehen mußte natürlich mit einem Glas Wein gefeiert werden.
Am nächsten Morgen ging es gleich mit dem Bus nach Manizales.
Wir wohnten dort in einem Hotel auf dem Gelände des Naturparks Recinto del Pensiamento. In dem Wald werden einheimische Orchideen angesiedelt. Das Projekt ist erfolgreich und die Pflanzen vermehren sich üppig am neuen Standort.
Die Naturparks dürfen in Kolumbien nur in Begleitung einer Aufsichtsperson betreten werden.
Einen ganzen langTag durften wir bei Jose Fernado Londono, seiner Frau Marisa und natürlich den Orchideen der Privatsammlung verbringen. Wir wurden liebevoll mit Speisen und Getränken verwöhnt.
Chorizo, wie Fernando genannt wird, führte uns durch seinen großen Garten und erklärte uns seine Orchideenpflege. Die Pflanzen sind im Schatten von Bäumen, oder unter Schattiergewebe untergebracht. Gegossen wird nur bei längerer Trockenheit, gedüngt wird mit Kuhmist pur !!!, der nach jeder Blühphase erneuert wird.
Seine Lieblingsorchideen sind Cattleyen. Von dieser Gattung pflegt er ca. 2000 - 3000 Stück, wobei er besondern Wert auf ausgesucht schöne Formen legt. Bei jeder Ausstellung werden seine Pflanzen prämiert.
Auch andere Gattungen gehören seiner umfangreichen Sammlung an. Nach seiner eigenen Schätzung umfaßt sein Bestand ca. 6000 Pflanzen. Selbst Miniaturorchideen fand ich bei unserem Rundgang.
Der tolle Kulturzustand seiner Pflanzen zeigt sich auch in der Blühwilligkeit. Hier ist ein Bulbophyllum lobbii abgebildet mit mindestens 40 Blüten. Auf der Rückseite ist der Blütenflor genauso üppig.
Da Temperatur, Licht und Feuchtigkeit stimmen, d.h. alle Bedingungen sind optimal, ist die Pflege natürlich viel einfacher als in unserem Klima.
Popayan und die Privatsammlung von Roberto de Angulo Blum war der nächste Höhepunkt.
Er ist der "Vater" der Gattung Anguloa.
Auch er kultiviert seine Pflanzen unter wasserdurchlässigem Schattiergewebe, oder nutzt Bäume als Schattenspender.
Beneidenswert.
Für mich waren seine unzähligen Miniaturorchideen von besonderem Interesse.
Eine besonders schöne Blüte entdeckte ich an einer Pflanze, die den Namen `Porroglossum arangoi´ trug. Als ich wieder zu Hause war und im Internet suchte, fand ich sie allerdings unter dem Namen Porroglossum eduardii, Heimat: Kolumbien und Ecuador in einer Höhe von 1900 - 2900 m.
Nun weiß ich nicht, welcher Name der richtig ist. Aber wunderschön ist sie auf alle Fälle.
Mit Roberto, sowie Andrea Niessen mit einer amerikanischen Reisegruppe, besuchten wir den Nationalpark Puracé, das absolute Highlight der Reise.
Nicht nur die vielen Orchideen, die wir am Naturstandort fanden, waren beeindruckend.
Durch dicke, schwarze Wolken wurden die heißen, blubbernden Schwefelquellen San Juan in gespenstische Atmosphäre gehüllt.
Das wunderbarste an diesem Tag war jedoch die Beobachtung von Kondoren aus nächster Nähe.
Es war ein überwältigendes Erlebnis, diese riesigen Vögel mit 3 m Flügelspannweite majestätisch durch die Lüfte schweben zu sehen.
Da konnte ich sogar für kurze Zeit die Orchideen vergessen.

Die Orchideen am Wegrand konnten wir aber nicht übersehen, vor allem Masdevallia racemosa. Diese Farbe leuchtet selbst bei trübem Licht aus jedem Gestrüpp. Neben Telipogon fanden wir viele Lepanthes, Epidendren, Pleurothallis und Stelis. In einer Höhe von über 3000 m ist die Temperatur ziemlich niedrig, die Luftfeuchtigkeit sehr hoch.


Von Cali aus organisierte Andrea Niessen eine Busfahrt zu Naturstandorten in Richtung Westen. An warmen Standorten fanden wir neben vielen anderen Orchideen, Lepanthes calodictyon, Lepanthes filamentosa und Psygmorchis pusilla.
  In Cali fand vom 20. - 22.November eine internationale Orchideenausstellung statt. Das Ausstellungsgelände ist in den Park integriert, mit tropischem Bewuchs im Hintergrund. Dadurch wirkt das Ganze sehr natürlich. Jeder Aussteller kann eine Fläche von ca. 15 qm gestalten.
Beim Aufbau am Mittwoch 18.11. durften wir Roberto zur Hand gehen. Auf dem Foto lassen sich die Ausmaße der ausgestellten Anguloas erkennen. Roberto ist etwa 1,78 m groß.
Am Donnerstag konnten wir auch die Bewerter begleiten. Da ich aber nicht spanisch spreche und nur wenig verstehe, hinderten mich Verständigungsschwierigkeiten an einer aktiven Mitwirkung. Einzelne Schaustände waren sehr kreativ gestaltet, und wurden dafür ausgezeichnet. Aber auch viele schöne Einzelpflanzen erhielten Medaillen.
Abends wurden im Rahmen einer Galaveranstaltung die Preise verliehen.
Tags darauf flogen wir zurück nach Bogota, um am nächsten Tag mit dem Bus in Richtung San Gil zu starten. Barichara, Guane, Curití und Villa de Leyva waren die nächsten, überwiegend orchideenfreien Stationen der Reise.
Am 26. mußte Udo von Bogota aus die Rückreise antreten.
Geinsson hatte für uns Beide einen weiteren Naturstandort geplant. Eine einsame Finca in der Nähe von Gachetá war deshalb unser Ziel.
Stelis in verschiedenen Größen und Farben, Masdevallien (ohne Blüte), jede Menge Epidendren, einige Lepanthes und Pleurothallis und dazwischen immer wieder eine stark duftende Prostechea, all das fanden wir in ca. 3500 m Höhe. Die Temperatur sinkt dort in der Nacht auf unter 10 °.
Das schönste Erlebnis auf dieser Exkursion war für mich, Fernandezia lanceolata am Naturstandort zu sehen. Wir fanden ganze Kolonien auf relativ dünnen Ästen.
Nach diesem erlebnisreichen Ausflug fuhren wir mit dem luxuriösen Nachtbus nach Medellin. Einen Tag stöberten wir durch die temperierten Kulturräume von Francisco Villegas, am nächsten Tag ging´s zu seinen Warmhäusern.
Beim Besuch der Sociedad Colombiana de Orquideologia organisierte Jorge spontan einen Ausflug zu Naturstandorten in der Umgebung von Medellin. Leider waren nur wenig Orchideen in Blüte. In einer Höhe von ca. 1600 m, Temperatur 20 - 22 °, fanden wir eine blühende Dryadella, mehrere Maxillarien, Epidendren, Pleurothallis und - wie überall - Stelis.
  
Nach dem Rückflug von Medellin nach Bogota, waren wir dort noch bei Peter Wüllner zur Besichtigung seiner Privatsammlung eingeladen.
Am nächsten Tag, dem 4. Dezember, war die tolle Reise zu Ende.
Ich flog zurück in die Heimat mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits fiel es mir schwer, dieses sonnige, warme, heitere Land zu verlassen, andrerseits freute ich mich sehr auf zu Hause.
Auch der Abschied von meinen Reisebegleitern machte mich traurig. Wir hatten 4 wunderschöne Wochen in Harmonie, ohne jede Spannung verbracht, obwohl wir anfangs fast Fremde waren. Meinen herzlichen Dank an Geinsson und Udo für diese erlebnisreichen Wochen.
|